Freibad Malsch
Aus dem Gemeinderat
Öffentliche Sitzung vom 9. August 2011 (I)
75 Prozent der Arbeiten für das Schwimmbad vergeben
Spatenstich ist am 29. August
Nachdem der Gemeinderat in der Sitzung vergangene Woche mehrheitlich 75 Prozent der Arbeiten für die Sanierung des Malscher Schwimmbads vergeben hat, kann derzeit davon ausgegangen werden, dass die Kostenberechnung in Höhe von 3,32 Millionen Euro eingehalten wird. „Wir stehen unmittelbar vor dem Startschuss„, erklärte der von der Gemeinde beauftragte Projektsteuerer Rudi Lehnert von Harrer Inge-nieure, als er die Ausschreibungsergebnisse für die Edelstahlbecken, Badewassertechnik, Elektroarbeiten sowie Abbruch-, Erd- und Rohbauarbeiten vorstellte.
Während sich der Großteil der Gemeinderäte für die Vergabe aussprach, enthielten sich die BfU/Grünen, weil sie, wie Heinz Kastner ausführte, bereits den Haushalt abgelehnt hatten, da sich die Gemeinde das Schwimmbad ihrer Meinung nicht leisten kann, sowie Bruno Fischer (CDU).
Statt den laut detaillierter Kostenberechnung erwarteten 2,181 Millionen Euro wurden die vier Gewerke für 1,986 Millionen Euro vergeben. Mit 769.640 Euro um 243.660 Euro günstiger als erwartet werden die drei Edelstahlbecken. Enthalten ist in dem Angebot der Firma Bodan Schwimmbadbau aus Kressbronn ein Nachlass von fünf Prozent. Lediglich 37 Euro unter der Kostenberechnung liegen die Arbeiten für die Ba-dewassertechnik, die für 659 823 Euro an die Firma Aquila aus Wertheim vergeben wurde. Knapp 12 000 Euro billiger werden die Elektroarbeiten, die für 24 462 Euro an die Firma Kreideweis aus Baden-Baden gingen. 60 111 Euro mehr als erwartet kosten die Abbruch-, Erd- und Rohbauarbeiten, die inklusive eines Nachlasses von einem Prozent für 531 935 Euro an die Firma Grafried aus Freiburg vergeben wurden. Als Grund nannte Lehnert, dass diese Arbeiten aufgrund der zahlreichen Schnittstellen als ein Gewerk ausge-schrieben wurden und zusätzliche Kosten etwa durch den Entwässerungskanal oder die Stellung eines Kranes verursacht werden. Kritisiert wurde die gemeinsame Ausschreibung der Abbruch-, Erd- und Roh-bauarbeiten von Michael Kunschner (Freie Wähler), der davon ausgeht, dass bei Einzelvergaben bessere Preise erzielt hätten werden können.
Über dem Kostenansatz liegen auch die Nebenkosten, die rund 80 000 Euro teurer werden als veran-schlagt, was laut Lehnert unter anderem an dem Aufwand für Betonuntersuchungen und für Fachingenieu-re liegt. Alles in allem liegen die vergebenen Arbeiten um rund 110 000 Euro günstiger als laut Kostenbe-rechnung erwartet. Hinzu kommen nach der Schätzung von Lehnert noch 500 000 Euro für die restlichen Arbeiten, so dass das Bad innerhalb des berechneten Kostenrahmens saniert werden kann. Nachdem nun die Vergabe erfolgt ist, werden, wie Bürgermeister Elmar Himmel auf Nachfrage von Matthias Kleine (BfU/Grüne) bestätigte, die Betriebskosten für das Bad berechnet.
Enthalten ist in den vergebenen Arbeiten, wie Lehnert auf Anfrage von Werner Scherer (Freie Wähler) ausführte, die Breitwellenrutsche und der Wasserpilz. Noch nicht berücksichtigt sind zusätzliche elektri-sche Ausstattungen, die bei einem vor der Sitzung stattgefundenen Treffen mit dem Projektbeirat ange-dacht wurden. Spatenstich für das Schwimmbad, das wie mehrfach berichtet im Mai 2012 wiedereröffnet werden soll, ist am 29. August. sf
Auszug aus dem Amtsblatt 4.2.2010
in diesem Jahr ......
bleibt das Freibad geschlossen !!!!! siehe Bericht der Gemeinde aus dem Ortsblatt vom 4.2.10
Da das Freibad in diesem Jahr geschlossen bleibt hier ein Auszug aus dem Ortsblatt in dem der Beschluß den Bürgern mittgeteilt wird :
Kommen wir wieder zurück nach Malsch und zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Die vorhin erwähnte Einbuße von 325.000 Euro für unsere Gemeinde Malsch durch das Wachstumsbe-schleunigungsgesetz entspricht dem jährlichen Defizit für unser Freibad ohne die sogenannten Kalkulatori-schen Kosten. Die Entscheidung für die Sanierung des Freibads ist nicht nur von den Investitionskosten, sondern insbesondere von den jährlichen Folgekosten, also diesem leider jährlich anfallenden Defizit ab-hängig. Die Frage, ob wir als Gemeinde Malsch das Freibad selbst betreiben, ob sich durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern ein Trägerverein noch bilden wird, ob sich zumindest durch einen Förderverein die Folgekosten herunterfahren lassen, ob wir einen kommerziellen Betreiber finden, der mit einem festen Zuschuss der Gemeinde das Freibad betreibt – bleibt vorerst weiter offen. Im Endeffekt hätten wir uns diese Überlegungen alle sparen können, wenn wir nicht zukünftig 325.000 Euro weniger Einnahmen durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz hätten. Fakt ist, dass in seinem jetzigen Zustand wir das Freibad Malsch bedauerlicherweise in diesem Jahr nicht mehr öffnen können. Wir haben in unserer Gemeinderats-Sitzung am vergangenen Dienstag die Stillle-gung für diese Badesaison beschlossen, weil die technischen Einrichtungen in ihrem Zustand ein gesund-heitlich gefahrloses Baden in angenehmen Wassertemperaturen nicht mehr zulassen und weitere kost-spielige Reparaturen wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten waren.
In der Bürgerversammlung im Oktober letzten Jahres konnten wir Ihnen aufzeigen, dass Sanie-rungsarbeiten mit einem Investitionsvolumen bis zu einer Million Euro, wie vielfach in öffentlichen Diskussionen zu vernehmen war, absolut nicht der Realität entsprechen. 3 Millionen Euro werden notwendig sein, um eine Sanierung durchzuführen, wobei dann noch vie-les nicht in dem Zustand ist, wie es für viele von uns wünschenswert wäre. Gleichzeitig heißt dies, dass wir dieses Projekt nur mit neuen Schulden finanzieren können, wobei - wie gesagt - wir die Folgekosten nicht außer Acht lassen dürfen – eine Summe von 325.000 Euro, die wir in diesem und allen nachfolgenden Jahren durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz jährlich verlieren! Vor ein paar Tagen konnten Sie in einem Leserbrief in den Badischen Neuesten Nachrichten lesen, dass reine Freibäder nicht vertretbar seien. Ein Hallenbad im Ganzjahresbetrieb sei die Alternative. Nun, als Vereinsvertreter ist diese Forderung und die damit einhergehende Darstellung mehr als nachvollziehbar für jeden von uns. Ob die notwendigen Investitionen für ein Hallenbad im Ganzjahresbetrieb und die Folgekosten für die Gemeinde vertretbar sind, kam in dem Leserbrief bei allen Berechnungen und Euro-Beträgen nicht zum Ausdruck. Dass das Thema „Schwimmbad„ sehr emotional besetzt ist, zeigt auch der Reim auf dem Fasnachtsorden der Malscher GroKaGe in diesem Jahr. Er lautet: „Die Insel ruft, die Ferne lockt, der Mälscher lieber in seinem Schwimmbad hockt.„ Ist das Freibad nun eine freiwillige Aufgabe der Gemeinde Malsch, die finanziell vertretbar ist? Ich meine ja. Es macht das Wohnen in Malsch lebenswerter und stärkt die Gemeinschaft. Denn nur durch das Lebens- und Wohlgefühl und das damit verbundene, identitätsstiftende Einbringen der Bürgerinnen und Bürger in Vereine, Kirchen und ehrenamtliches Engagement, nähret unser Ge-meinwesen. Es stellt einen finanziell nicht zu fassenden positiven Faktor in der Gemeindepolitik dar. Außerdem kommt mit dem Zweizeiler der GroKaGe auch die intensive gefühlsmäßige Verbundenheit der Mälscher zu ihrem Freibad zum Ausdruck: Das Schwimmbad wurde schon in den 50ziger Jahren, bereits neun Jahre nach dem 2. Weltkrieg, gebaut als Refugium, um die Freizeit zu verbringen. Natürlich hatte Freizeit früher einen ganz anderen Charakter; beispielsweise mussten erst die schwarzen Johannisbeeren geerntet werden, aber mit dem Gedanken im Hinterkopf, sich anschließend im Schwimmbad ins kühle Nass stürzen zu können, ging einem die Arbeit viel leichter von der Hand – man freute sich auf den Genuss, der im Anschluss folgen würde. Für viele war, ohne dass sie in den Urlaub fahren konnten – der Sommer toll, weil es ihr Malscher Schwimmbad gab. Und heute sind diejenigen, die sich den Urlaub nicht oder nicht mehr leisten können oder einfach nur den Sommer daheim verbringen wollen, wieder zahlenmäßig mehr geworden. Für sie ist eine Erfrischung im heimischen Schwimmbad sprichwörtlich unbezahlbar.

